Vom Wissensbaum zum semantischen Wissensnetz

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Vom Wissensbaum zum semantischen Wissensnetz

Der Baum gibt Ordnung.

Das Netz gibt Zusammenhang.

Beides wird benötigt.

Ein Erkenntnisknoten besitzt weiterhin genau einen stabilen hierarchischen Heimatort. Dadurch bleibt die Wissensbasis navigierbar und jeder Gedanke hat einen verlässlichen Platz.

Viele Erkenntnisse stehen jedoch zugleich in Beziehungen zu mehreren anderen Knoten. Diese Beziehungen sollen nicht als bedeutungslose Standardpfeile gespeichert werden, sondern eine kleine, klar definierte semantische Bedeutung tragen.

Ein Knoten hat einen Heimatort, aber er darf viele Beziehungen besitzen.

Kanonische Beziehungstypen

Die Zahl der Grundtypen bleibt bewusst klein.

  1. BERUHT_AUF

Ein Gedanke benötigt einen anderen als fachliche, logische oder begriffliche Grundlage.

Gegenrichtung, wenn sinnvoll: VORAUSSETZUNG_FUER.

  1. FOLGT_AUS

Eine Erkenntnis, Konsequenz oder Entscheidung ergibt sich aus einem anderen Knoten.

  1. KONKRETISIERT

Ein allgemeiner Grundsatz wird durch einen spezifischeren Knoten praktisch oder fachlich präzisiert.

  1. ANWENDUNG_VON

Ein Knoten beschreibt die konkrete Anwendung eines Prinzips, Modells oder Werkzeugs.

  1. ERGAENZT

Zwei Erkenntnisse erweitern einander, ohne dass eine logisch aus der anderen folgt.

  1. STEHT_IN_SPANNUNG_ZU

Eine wichtige Grenze, Gegenposition oder produktive Spannung bleibt sichtbar, ohne vorschnell einen vollständigen Widerspruch zu behaupten.

Für einen echten logischen oder empirischen Widerspruch kann WIDERSPRICHT verwendet werden.

  1. EVIDENZ_FUER / QUELLE_FUER

Verbindet Erkenntnisse mit Belegen, Quellen oder Evidenzknoten, sofern diese als eigene Wissensobjekte geführt werden.

  1. SPRACHLICHES_WERKZEUG_FUER

Verbindet Metaphern, Schlüsselsätze, Analogien oder Bilder mit der Erkenntnis, die sie verständlich machen. Erweiterungen nur bei echtem Bedarf

Neue Beziehungstypen werden nicht spontan für einzelne Pakete erfunden.

Ein neuer Typ ist nur sinnvoll, wenn:

– keiner der vorhandenen Grundtypen die Beziehung ausreichend beschreibt, – der neue Typ in mehreren Fällen wiederverwendbar ist, – seine Richtung und Bedeutung eindeutig definierbar sind, – er einen erkennbaren zusätzlichen Nutzen für Navigation, Prüfung oder Ableitung besitzt.

Wenige klare Beziehungen sind wertvoller als viele uneinheitliche Pfeilnamen.

Das semantische Netz kann später genutzt werden für:

– Navigation entlang von Erkenntniszusammenhängen, – automatische thematische Zusammenfassungen, – Widerspruchs- und Grenzprüfung, – Ableitung von Büchern, Webseiten und Kursen, – semantische Suche, – Erkennen zentraler oder isolierter Knoten, – KI-gestützte Überprüfung der Wissensarchitektur.