Leitlinien geben Orientierung, der einzelne Mensch entscheidet den Weg
Leitlinien, Studien und etablierte Standards sind wichtige Orientierungspunkte medizinischer Entscheidungen. Sie bündeln Wissen aus vielen Menschen und helfen, Nutzen, Risiken und bewährte Vorgehensweisen einzuschätzen.
Der einzelne Patient ist jedoch keine statistische Durchschnittsperson. Vorgeschichte, Begleiterkrankungen, Verträglichkeit, Lebenssituation, Ziele, bisherige Reaktionen und biologische Besonderheiten können beeinflussen, welche Entscheidung im konkreten Fall sinnvoll ist.
Individualisierung bedeutet deshalb nicht, wissenschaftliche Erkenntnisse zu verlassen. Sie bedeutet, allgemeines Wissen verantwortungsvoll auf den einzelnen Menschen zu beziehen.
Evidenz zeigt, was im Allgemeinen sinnvoll sein kann. Die individuelle Situation entscheidet, wie dieses Wissen angewendet werden sollte.
Wo von Standards abgewichen wird, braucht es nachvollziehbare Gründe, transparente Unsicherheit und eine besonders sorgfältige Beobachtung des Verlaufs.