Therapie als adaptive Reihenfolge wirksamer Hebel
Therapeutische Entscheidungen beginnen bei komplexen Situationen nicht nur mit der Frage:
Welche Behandlung gibt es für diese Diagnose?
Sondern häufig mit:
Welche Faktoren tragen wahrscheinlich zur aktuellen Situation bei und an welchen Stellen besteht die größte Chance, die Entwicklung positiv zu beeinflussen?
Die Aufgabe besteht darin, relevante Hebel zu identifizieren und in einer sinnvollen Reihenfolge einzusetzen.
Dabei gilt:
So viel wie notwendig. So wenig wie möglich.
Therapie wird schrittweise und adaptiv gesteuert:
- möglichst sichere, beobachtbare und realistisch hilfreiche Schritte wählen,
- Wirkung und Verträglichkeit beobachten,
- nur bei Bedarf weitere Maßnahmen ergänzen,
- Reihenfolge und Zeitpunkt berücksichtigen,
- bei stabiler Verbesserung zunächst konsolidieren,
- anschließend schrittweise reduzieren,
- unwirksame Maßnahmen beenden.
Das Beenden einer unwirksamen Maßnahme ist ebenso wichtig wie das Einführen einer hilfreichen Maßnahme.
Das Ziel ist nicht, möglichst viele Maßnahmen dauerhaft beizubehalten.
Ziel ist die kleinste wirksame Unterstützung, die Stabilität, Belastbarkeit und Lebensqualität fördert.
Therapie soll den Alltag unterstützen und nicht den Alltag vollständig bestimmen.