Opportunitätskosten medizinischer Entscheidungen
Jede medizinische Entscheidung hat neben möglichem Nutzen, Risiken und direkten Kosten auch Opportunitätskosten.
Wer eine Untersuchung oder Behandlung wählt, entscheidet zugleich, Zeit, Aufmerksamkeit, finanzielle Mittel und Belastbarkeit an dieser Stelle einzusetzen. Andere Möglichkeiten werden dadurch möglicherweise später, weniger intensiv oder gar nicht verfolgt.
Deshalb sollte eine Maßnahme nicht nur für sich genommen begründbar sein.
Sie sollte im jeweiligen Moment auch wichtiger oder sinnvoller sein als die relevanten Alternativen, die dadurch zurückgestellt werden.
Diese Perspektive ergänzt die Priorisierung unter Unsicherheit.
Zu fragen ist:
- Welche Entscheidung verändert wahrscheinlich etwas Wesentliches?
- Welche Untersuchung beeinflusst tatsächlich das weitere Vorgehen?
- Was bindet Ressourcen, ohne ausreichend Erkenntnis oder Nutzen zu erwarten?
- Was wird durch diese Entscheidung zeitlich oder praktisch verdrängt?
- Ist die Maßnahme für die aktuelle Belastbarkeit des Menschen tragfähig?
Opportunitätskosten helfen, Überdiagnostik und therapeutische Überfrachtung als Frage der gesamten verfügbaren Aufmerksamkeit und Handlungskraft zu betrachten.