Priorisieren unter Unsicherheit
Komplexe medizinische Situationen enthalten häufig mehr mögliche Fragen und Maßnahmen, als gleichzeitig sinnvoll bearbeitet werden können.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Was ist theoretisch alles möglich?
Sondern:
Was ist jetzt am wichtigsten, am dringlichsten und am sinnvollsten als nächster Schritt?
Priorisierung berücksichtigt insbesondere:
- mögliche Gefährdung und Dringlichkeit,
- Wahrscheinlichkeit und Tragweite einer Hypothese,
- erwartbaren Nutzen,
- Risiken und Belastungen,
- Reversibilität,
- Informationsgewinn,
- Belastbarkeit und Ressourcen des Menschen,
- sowie die Frage, ob ein Ergebnis die nächste Entscheidung tatsächlich verändert.
Nicht jede Auffälligkeit muss gleichzeitig verfolgt und nicht jede denkbare Therapie gleichzeitig begonnen werden.
Gute Medizin bedeutet häufig, unter Unsicherheit die nächsten sinnvollen Schritte zu erkennen und sie in eine begründete Reihenfolge zu bringen.
Priorisierung bleibt vorläufig. Neue Beobachtungen können die Reihenfolge verändern.