Gute Medizin priorisiert unter Unsicherheit
Medizinische Entscheidungen entstehen häufig, bevor vollständige Gewissheit möglich ist.
Verantwortungsvoller Umgang mit Unsicherheit bedeutet deshalb weder, Sicherheit vorzutäuschen, noch jede Entscheidung aufzuschieben.
Er verlangt Priorisierung.
Dabei helfen Fragen wie:
1. Was ist gefährlich und darf nicht übersehen werden? 2. Was ist wahrscheinlich und entscheidungsrelevant? 3. Was kann mit vertretbarem Aufwand geprüft werden? 4. Was kann zunächst beobachtet werden? 5. Welche Maßnahme ist reversibel und informationsreich? 6. Welche Belastung ist für den Menschen aktuell tragbar?
Wir verstehen Medizin nicht als die Suche nach vollständiger Gewissheit, sondern als verantwortungsvollen Umgang mit Unsicherheit im Dienst des Menschen.
Priorisierung schützt vor zwei entgegengesetzten Fehlern: zu wenig zu tun, obwohl Handeln notwendig wäre, und zu viel zu tun, obwohl zusätzliche Diagnostik oder Therapie keinen ausreichenden Erkenntnis- oder Nutzengewinn bringt.