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BM-150 – Präzisionsmedizin und Individualität

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Präzisionsmedizin und Individualität

Wissenschaftliche Studien und Leitlinien bilden eine wichtige Grundlage medizinischer Entscheidungen. Sie zeigen, welche Verfahren sich bei bestimmten Fragestellungen bewährt haben, welche Wirkungen zu erwarten sind und welche Risiken bekannt sind.

Gleichzeitig beschreibt populationsbezogenes Wissen niemals vollständig die konkrete Kombination aus Erkrankungen, biologischen Besonderheiten, Lebensumständen, Zielen und Belastbarkeit eines einzelnen Menschen.

Die Aufgabe guter Medizin lautet deshalb nicht:

Leitlinien oder Individualisierung.

Sondern:

Leitlinien und Individualisierung.

Eine hilfreiche Metapher lautet:

Leitlinien geben die Landkarte. Der einzelne Mensch bestimmt die tatsächliche Route.

Wissenschaft beschreibt häufig, was bei vielen Menschen im Durchschnitt hilfreich ist. Ärztliche Kunst und Verantwortung bestehen darin, dieses Wissen transparent, sicher und begründet auf die individuelle Situation anzuwenden.

Individualisierung bedeutet dabei nicht Beliebigkeit und nicht die Abkehr von Evidenz. Sie verlangt eine sorgfältige Verbindung von wissenschaftlicher Evidenz, klinischer Erfahrung, individueller Biologie und Vorgeschichte, Risiken und Unsicherheiten, Patientenpräferenzen und Zielen sowie der tatsächlichen Reaktion im Verlauf.

Allgemeines Wissen gibt Orientierung. Die Wirklichkeit des einzelnen Menschen entscheidet, wie dieses Wissen verantwortungsvoll angewendet werden kann.