Der Organismus versucht zunächst zu regulieren
Lebendige Systeme reagieren auf Belastungen nicht passiv. Sie versuchen fortlaufend, Gleichgewicht, Funktion und Überleben zu sichern.
Deshalb ist eine beobachtete Veränderung nicht automatisch mit einem Defekt gleichzusetzen.
Sie kann sein:
- Anpassung, - Kompensation, - Schutzreaktion, - kurzfristig sinnvolle Gegenregulation, - Zeichen erschöpfter Reserven, - oder tatsächlich Ausdruck einer Störung.
Die medizinische Aufgabe besteht darin, diese Möglichkeiten zu unterscheiden.
Nicht jede Abweichung ist ein Versagen. Manche Abweichungen sind der Versuch des Organismus, unter veränderten Bedingungen weiter zu funktionieren.
Eine therapeutische Intervention sollte deshalb nicht reflexhaft jede Reaktion unterdrücken, sondern fragen, welche Funktion sie im Gesamtsystem besitzt und ob sie kurzfristig schützt, langfristig belastet oder beides zugleich.