Anpassung braucht angemessene Herausforderung
Entlastung kann notwendig sein. Sie ist jedoch nicht in jeder Situation das vollständige Ziel von Therapie und Rehabilitation.
Lebende Systeme erhalten und entwickeln viele Fähigkeiten durch Nutzung und angemessene Herausforderung.
Beispiele sind:
- Muskelkraft durch Belastung, - Knochenstabilität durch mechanische Reize, - Gleichgewicht durch Bewegung, - Belastbarkeit durch graduelle Beanspruchung, - Lernfähigkeit durch Erfahrung, - Regulationsfähigkeit durch bewältigbare Wechsel und Anforderungen.
Daraus folgt keine pauschale Forderung nach mehr Belastung.
Überforderung, chronische Alarmzustände, fehlende Erholung und unangemessene Reize können schaden.
Entscheidend sind vielmehr:
- Dosis, - Zeitpunkt, - Dauer, - individuelle Ausgangslage, - Erholungsfähigkeit, - Anpassungsreserve, - und die tatsächliche Reaktion des Organismus.
Gesundheit entsteht häufig nicht trotz angemessener Herausforderungen. Gesundheit entsteht häufig auch durch sie.
Gute therapeutische Steuerung sucht deshalb nicht einfach maximale Schonung oder maximale Aktivierung. Sie sucht das individuelle Fenster, in dem Herausforderung Entwicklung ermöglicht, ohne Überforderung zu erzeugen.
Dieses Prinzip verlangt besondere Vorsicht bei Erkrankungen mit Belastungsintoleranz: Dort darf eine Verschlechterung nach Belastung nicht als notwendiger Trainingseffekt missverstanden werden. Die beobachtete biologische Antwort bestimmt, ob ein Reiz angemessen war.