Gesundheit als entwickelbare Fähigkeit
Gesundheit ist nicht nur ein Zustand, den ein Mensch besitzt oder nicht besitzt.
Sie zeigt sich auch in Fähigkeiten eines lebenden Systems:
- sich anzupassen, - Belastungen zu bewältigen, - sich zu erholen, - Regulation aufrechtzuerhalten, - Reserven zu mobilisieren, - nach Störungen wieder Stabilität zu gewinnen, - und Entwicklung zu ermöglichen.
Diese Fähigkeiten können unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie können geschwächt werden, aber teilweise auch wieder aufgebaut und trainiert werden.
Damit verändert sich die therapeutische Frage.
Nicht nur:
Was fehlt?
Sondern ebenso:
Welche Fähigkeiten können wieder gestärkt werden?
Therapie kann dadurch mehr sein als Symptomminderung oder Korrektur einzelner Werte. Sie kann darauf zielen, Anpassung, Erholung, Belastbarkeit und Regulation wieder zu verbessern.
Wenn Gesundheit eine Fähigkeit ist, dann wird Therapie auch zur Förderung von Fähigkeiten.
Das bedeutet nicht, strukturelle Erkrankungen oder notwendige spezifische Behandlungen zu relativieren. Es ergänzt sie um die Frage, welche funktionellen Fähigkeiten trotz oder neben einer Erkrankung erhalten, geschützt oder zurückgewonnen werden können.