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BM-032 – Wissenschaftliche Bescheidenheit und aktive Korrigierbarkeit

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Wissenschaftliche Bescheidenheit und aktive Korrigierbarkeit

Wissenschaftliche Bescheidenheit bedeutet nicht, weniger genau zu denken.

Sie bedeutet, genau genug zu denken, um die Grenzen des eigenen Wissens zu erkennen.

Lebendige Systeme sind komplex. Nicht jede Ursache ist bekannt. Nicht jede Beobachtung lässt sich eindeutig erklären. Nicht jede therapeutische Wirkung ist vollständig vorhersehbar.

Deshalb gehört zur guten Medizin die Fähigkeit zu sagen:

- Das wissen wir mit hoher Sicherheit. - Das ist wahrscheinlich. - Das ist eine plausible Hypothese. - Das haben wir beobachtet, verstehen es aber noch nicht vollständig. - Hier benötigen wir weitere Prüfung.

Bescheidenheit ist nicht das Gegenteil von Wissen. Sie schützt Wissen davor, sich selbst zu überschätzen.

Sie verlangt aktive Korrigierbarkeit:

- Gegenargumente ernst nehmen, - widersprechende Befunde prüfen, - frühere Annahmen revidieren, - Unsicherheit kenntlich machen, - und neue Erkenntnisse in das bestehende Modell integrieren.

Gerade weil Medizin handeln muss, bevor vollständiges Wissen verfügbar ist, braucht sie eine Haltung, die Entscheidungen ermöglicht, ohne Unsicherheit zu verleugnen.

Wir müssen nicht alles wissen, um verantwortlich handeln zu können. Aber wir müssen wissen, wo unser Wissen endet.