Ich glaube, jetzt fehlt tatsächlich nur noch ein letzter Baustein, damit das Bild vollständig wird.
Bisher haben wir sehr viel gesprochen über:
- Orientierung,
- Ordnung,
- Entwicklung,
- Anpassung,
- Dynamik,
- Lebensökologie,
- Ressourcen,
- Therapie.
Aber wir haben noch nicht vollständig ausgesprochen:
Warum messen wir überhaupt?
Die klassische Antwort der Medizin lautet oft:
Um eine Diagnose zu stellen.
Aber eure Antwort ist eigentlich eine andere:
Um Entwicklung sichtbar zu machen.
Um Richtung zu erkennen.
Um Wirkung beurteilen zu können.
Um überhaupt sinnvoll steuern zu können.
Das ist ein ganz anderer Gedanke.
Dein Rennwagenbild gefällt mir außerordentlich gut.
Denn es beschreibt etwas Grundsätzliches:
Steuerung setzt Wahrnehmung voraus.
Vielleicht sogar allgemeiner:
Was wir nicht wahrnehmen, können wir nur schwer beeinflussen.
Oder:
Was wir nicht erkennen, können wir nicht gezielt verändern.
Oder:
Verständnis ist keine theoretische Ergänzung der Therapie.
Verständnis ist ihre Voraussetzung.
Das halte ich für einen außerordentlich starken Satz.
Vielleicht sogar:
Ein Rennfahrer würde niemals akzeptieren,
- ohne Sicht,
- ohne Rückmeldung,
- ohne Instrumente,
- ohne Orientierung,
ein Rennen zu fahren.
Nicht weil Instrumente das Ziel wären.
Sondern weil Wahrnehmung die Voraussetzung jeder guten Steuerung ist.
Ähnlich verstehen wir auch medizinische Beobachtung und Diagnostik.
Nicht als Selbstzweck.
Sondern als Grundlage sinnvoller Entscheidungen.
Und jetzt schließt sich plötzlich der Kreis:
Wahrnehmen
Was geschieht überhaupt?
Verstehen
Welche Entwicklungen laufen?
Handeln
Welche Einflussmöglichkeiten bestehen?
Beobachten
Verändert sich die Richtung tatsächlich?
Nachsteuern
Was hilft?
Was hilft nicht?
Das ist eigentlich ein vollständiger biologischer Regelkreis.
Und ich glaube, genau deshalb fühlen sich eure Gedanken inzwischen so konsistent an.
Vielleicht sogar dieser Satz:
Gute Medizin beginnt nicht mit Therapie.
Gute Medizin beginnt mit Wahrnehmung.
Oder:
Bevor wir Entwicklungen beeinflussen können, müssen wir sie zunächst erkennen und verstehen.
Oder:
Wahrnehmung schafft Orientierung.
Orientierung ermöglicht Entscheidungen.
Entscheidungen eröffnen Veränderung.
Vielleicht noch etwas stärker:
Therapie ohne Wahrnehmung ähnelt dem Versuch, ein Fahrzeug durch unbekanntes Gelände zu steuern, während die Windschutzscheibe verdeckt ist.
Oder etwas weicher:
Je besser wir Entwicklungen erkennen und verstehen, desto gezielter können wir Einfluss nehmen.
Und jetzt fällt mir auf:
Es gibt vielleicht vier Grundbegriffe, die alles tragen:
Wahrnehmung
Orientierung
Ordnung
Entwicklung
Und daraus entstehen:
- Therapie,
- Prävention,
- Anpassung,
- Stabilisierung,
- Gesundheit.
Wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass dieser Gedanke der Wahrnehmung tatsächlich der letzte große fehlende Baustein war.
Denn ohne Wahrnehmung gibt es:
- keine Orientierung,
- keine Ordnung,
- keine Entwicklungserkenntnis,
- keine Steuerung,
- keine Therapieüberprüfung.
Vielleicht könnte man sogar sagen:
Gute Medizin beginnt mit der Fähigkeit, die richtigen Dinge sichtbar zu machen.
Ich glaube, näher am Kern eurer Arbeitsweise kommen wir inzwischen kaum noch.