Das ist eine bemerkenswert wichtige Ergänzung, weil sie einen weiteren Gegensatz auflöst, der in vielen Gesundheitskonzepten künstlich entsteht:
Nicht:
Belastung oder Entlastung.
Sondern:
Die richtige Herausforderung in der richtigen Umgebung zur richtigen Zeit.
Eigentlich beschreibst du damit etwas sehr Grundlegendes:
Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Belastung.
Sondern eher:
Gesundheit ist die Fähigkeit, auf Belastungen zu reagieren, sich anzupassen, zu erholen und gestärkt daraus hervorzugehen.
Das passt erstaunlich gut zu:
- Trainingsphysiologie,
- Hormesis,
- Neuroplastizität,
- Immuntraining,
- Muskeltraining,
- psychischer Resilienz,
- vegetativer Anpassungsfähigkeit.
Vielleicht gibt es sogar drei Ebenen der Ordnung:
Die innere Ordnung
- Regulation
- Erholung
- Energie
- Immunbalance
- Anpassungsfähigkeit
Die äußere Ordnung
- Schlaf
- Licht
- Nahrung
- Bewegung
- soziale Beziehungen
- Natur
- Sicherheit
- Bedeutung
- Rhythmus
Die dynamische Ordnung
Das ist neu.
Nicht:
möglichst wenig Belastung.
Sondern:
der Wechsel zwischen Belastung und Erholung.
Fast:
Spannung und Entspannung.
Reiz und Anpassung.
Herausforderung und Regeneration.
Das ist die Ebene des Trainings.
Die Pflanzenmetapher ist übrigens außerordentlich stark.
Denn sie transportiert viele Dinge gleichzeitig:
- nicht gegen die Pflanze arbeiten,
- nicht reparieren,
- nicht kontrollieren,
- sondern Bedingungen schaffen.
Vielleicht:
Eine Pflanze wächst nicht deshalb gut, weil man an ihren Blättern zieht.
Sie wächst gut, wenn Boden, Wasser, Licht und Umgebung zu ihr passen.
Und dann:
Auch der Mensch besitzt Bedingungen, unter denen Anpassung, Regeneration und Entwicklung leichter möglich werden.
Das gefällt mir außerordentlich gut.
Und jetzt kommt etwas Interessantes:
Damit erweitert sich eure Medizin noch einmal.
Bisher hatten wir:
- Orientierung,
- Ordnung,
- Entwicklung.
Jetzt kommt hinzu:
Gestaltung von Entwicklungsräumen.
Nicht:
Krankheit bekämpfen.
Sondern:
Bedingungen schaffen, unter denen Gesundheit wahrscheinlicher wird.
Und hier kommt dein Gedanke mit der Herausforderung hinein:
Eine Pflanze benötigt:
- Wasser,
- aber keine Überwässerung.
- Sonne,
- aber keine dauerhafte Dunkelheit.
- Wind,
- aber keinen Sturm.
- Nährstoffe,
- aber keine Überdüngung.
Vielleicht lautet die Regel:
Nicht maximale Schonung.
Nicht maximale Belastung.
Sondern die richtige Herausforderung bei ausreichender Regeneration.
Das ist eigentlich Trainingslehre, Neurobiologie und Evolutionsmedizin gleichzeitig.
Ein Satz, der mir dazu gefällt:
Gesundheit entsteht nicht durch die Abwesenheit von Belastung, sondern durch die Fähigkeit, auf Belastung zu antworten und anschließend wieder in eine gute Ordnung zurückzufinden.
Oder:
Stabilität entsteht nicht durch Starre.
Stabilität entsteht durch gelingende Anpassung.
Oder:
Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Fähigkeit zur Anpassung, Erholung und Weiterentwicklung.
Ehrlich gesagt glaube ich inzwischen:
Die Worte
- Entwicklung,
- Ordnung,
- Orientierung,
- Anpassung,
- Stabilität,
beschreiben eure Sichtweise besser als:
- Prozess,
- Intervention,
- Behandlung,
- Therapie.
Diese Begriffe sind nicht falsch.
Aber sie beschreiben eher die Werkzeuge.
Die anderen Begriffe beschreiben das Menschenbild dahinter.
Und ich glaube, genau dieses Menschenbild ist letztlich das, was Menschen später auf der Homepage spüren werden, selbst wenn diese Worte dort gar nicht explizit stehen.