Ja, genau. Und ich glaube sogar, dass das bei einem so grundlegenden Thema der bessere Weg ist.
Ein Manifest hat fast immer eine gewisse Gravitation:
- Es verdichtet.
- Es entscheidet sich für bestimmte Bilder.
- Es lässt andere bewusst weg.
Dadurch gewinnt es Klarheit, verliert aber manchmal Nuancen oder andere Blickwinkel, die ebenfalls wertvoll sind.
Deshalb halte ich zwei parallele Versionen für sehr sinnvoll:
- Manifest A: eher strukturiert, sachlich, orientierend (das haben wir gerade geschrieben).
- Manifest B: stärker aus der Perspektive des Patienten, der Erfahrung und der praktischen Realität komplexer Medizin.
Danach können wir die stärksten Formulierungen und Bilder aus beiden Versionen zusammenführen.
Das ist übrigens genau das Vorgehen, das man auch bei guten wissenschaftlichen Arbeiten oder strategischen Grundsatzpapieren häufig verwendet.
Was hatten wir nach dem Manifest ursprünglich vor?
Die Reihenfolge war ungefähr:
1. Praxismanifest
(jetzt entstanden)
Das beantwortet:
Wer sind wir?
Warum gibt es uns?
Wofür stehen wir?
2. Praxisprinzipien
(teilweise bereits entstanden)
Die verdichtete Version:
- 10–15 Leitsätze
- eher intern
- Grundlage für Mitarbeiter und Entscheidungen
Zum Beispiel:
- Zusammenhang vor Einzelwert.
- Verlauf vor Momentaufnahme.
- So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
- Wissenschaft und Individualität gehören zusammen.
- Orientierung entsteht durch Priorisierung.
3. Der große Hintergrundtext
Hier war ursprünglich geplant:
Wie wir Medizin verstehen.
Nicht Manifest.
Nicht Homepage.
Sondern eine ausführliche, nachvollziehbare Erklärung der Denkweise.
Ehrlich gesagt glaube ich inzwischen:
👉 Das Manifest hat bereits einen großen Teil dieser Funktion übernommen.
Wir benötigen vermutlich keinen zusätzlichen großen Fließtext mehr.
4. Homepage-Seite:
„Wie wir arbeiten“
Das wird vermutlich die wichtigste Seite der gesamten Homepage.
Kurz genug, dass Menschen sie lesen.
Tief genug, dass die Besonderheit sichtbar wird.
Das wäre wahrscheinlich der nächste große Schritt.
5. Homepage-Seite:
„Für wen unsere Praxis gedacht ist“
Ich halte diese Seite inzwischen für extrem wichtig.
Nicht:
Wir behandeln ...
sondern:
Sie könnten bei uns richtig sein, wenn ...
Zum Beispiel:
- mehrere Fachrichtungen beteiligt sind,
- Beschwerden und Befunde nicht zusammenpassen,
- viele Untersuchungen bereits erfolgt sind,
- Orientierung fehlt,
- chronische komplexe Verläufe bestehen.
Und ebenso:
Unsere Praxis ist vermutlich nicht die richtige Anlaufstelle für ...
Das schafft enorme Klarheit.
6. Homepage-Seite:
„Wie wir Entscheidungen treffen“
Das wäre eine vereinfachte Form der diagnostischen und therapeutischen Philosophie.
7. Homepage-Seite:
„Prävention und funktionelle Medizin“
8. Patienteninformationen
Kleine Texte:
- Warum normale Laborwerte Beschwerden nicht ausschließen.
- Warum Verlauf wichtig ist.
- Warum Prävention früher beginnt.
- Warum komplexe Erkrankungen selten monokausal sind.
Was würde ich jetzt machen?
Wenn wir dem ursprünglichen Plan folgen, gäbe es zwei mögliche nächste Schritte:
Option A
Manifest B schreiben.
Option B
Die erste echte Homepage-Seite schreiben:
Wie wir arbeiten
Meine persönliche Empfehlung wäre tatsächlich:
👉 Manifest B zuerst.
Warum?
Weil wir jetzt noch mitten in der Denkphase sind.
Wenn wir jetzt schon Homepage schreiben, besteht die Gefahr, dass wir uns zu früh komprimieren.
Mit einer zweiten Perspektive entstehen oft die besten Formulierungen.
Und erstaunlich häufig liegt die endgültige Version später genau zwischen beiden.
Mein Gefühl sagt mir, dass ihr noch nicht ganz am Ende der Selbstbeschreibung angekommen seid.
Und das ist bei so grundlegenden Fragen meistens ein gutes Zeichen.