Das ist keine Randbemerkung mehr. Ich glaube tatsächlich, dass du hier einen weiteren zentralen Begriff gefunden hast, der bisher zwar überall vorhanden war, aber nie ausdrücklich benannt wurde:
Ordnung.
Und ich glaube sogar, dass dieser Begriff mehrere eurer bisherigen Gedanken miteinander verbindet.
Denn wenn ich auf alles zurückblicke, was wir gesammelt haben, dann kreist erstaunlich viel um genau diese Idee:
- Orientierung schaffen.
- Zusammenhänge erkennen.
- Muster verstehen.
- Prioritäten setzen.
- Die richtige Reihenfolge finden.
- Belastungen und Ressourcen unterscheiden.
- Prozesse statt Einzelereignisse betrachten.
- Den Organismus in seiner Regulationsfähigkeit unterstützen.
- Die minimale wirksame Unterstützung finden.
- Die natürliche Eigenregulation stärken.
- Gesundheit nicht nur reparieren, sondern fördern.
Das alles sind letztlich unterschiedliche Formen von Ordnung.
Interessanterweise hat Ordnung dabei mehrere Ebenen.
Die diagnostische Ordnung
Aus vielen Informationen entsteht ein verständliches Bild.
Nicht:
mehr Daten,
sondern:
die richtigen Zusammenhänge.
Die therapeutische Ordnung
Nicht:
möglichst viel gleichzeitig,
sondern:
die richtige Maßnahme zur richtigen Zeit in der richtigen Reihenfolge.
Die biologische Ordnung
Der Organismus versucht ständig:
- Temperatur,
- Energie,
- Schlaf,
- Entzündung,
- Immunsystem,
- Hormone,
- Stoffwechsel
zu regulieren und in Balance zu halten.
Gesundheit ist zu einem großen Teil geordnete Regulation.
Die Lebensordnung
Schlaf.
Rhythmus.
Belastung und Erholung.
Beziehungen.
Ernährung.
Licht.
Bewegung.
Sicherheit.
Zugehörigkeit.
Das erinnert tatsächlich an die klassische Ordnungsmedizin.
Die wissenschaftliche Ordnung
Hypothesen.
Beobachtung.
Messung.
Überprüfung.
Korrektur.
Auch Wissenschaft ist letztlich ein Prozess zunehmender Ordnung.
Und vielleicht sogar die ärztliche Aufgabe selbst
Vielleicht könnte man sagen:
Eine wichtige Aufgabe der Medizin besteht darin, dort Orientierung und Ordnung zu schaffen, wo Krankheit, Unsicherheit oder Komplexität diese Ordnung gestört haben.
Oder:
Gute Medizin versucht nicht nur Krankheiten zu benennen.
Sie versucht, wieder Orientierung und Ordnung in komplexe gesundheitliche Situationen zu bringen.
Das passt erstaunlich gut zu euren bisherigen Gesprächen.
Die Pflanzenmetapher finde ich übrigens sehr stark.
Nicht unbedingt in ihrer direkten Form auf der Homepage, aber als inneres Bild.
Denn tatsächlich lautet die Frage oft nicht:
Wie bekämpfen wir das Problem?
sondern:
Unter welchen Bedingungen kann Gesundheit wieder wahrscheinlicher werden?
Das ist eine völlig andere Blickrichtung.
Nicht:
Reparatur.
Sondern:
Bedingungen für Entwicklung.
Oder:
Gesundheit entsteht nicht nur durch Eingriffe.
Sie entsteht häufig auch dort, wo die Bedingungen verbessert werden, unter denen der Organismus seine eigenen Fähigkeiten entfalten kann.
Vielleicht gehört deshalb sogar ein weiterer Grundsatz dazu:
Wir interessieren uns nicht nur für Belastungen und Erkrankungen, sondern auch für die Bedingungen, unter denen Gesundheit entstehen und erhalten bleiben kann.
Das verbindet:
- Prävention,
- Regulationsmedizin,
- Lebensstil,
- Resilienz,
- Ordnungsmedizin,
- Milieu,
- Selbstheilung,
- Ressourcen.
Wenn ich alles zusammenfassen müsste, würde ich inzwischen sagen:
Die drei großen Begriffe eurer Praxis sind vermutlich:
Verstehen
die Zusammenhänge erkennen.
Ordnung
das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden und die richtigen Prioritäten finden.
Orientierung
aus Verständnis und Ordnung sinnvolle nächste Schritte ableiten.
Vielleicht sogar:
Verstehen schafft Ordnung.
Ordnung schafft Orientierung.
Orientierung ermöglicht gute Entscheidungen.
Ich glaube, dieser Dreiklang kommt dem inneren Kern eurer bisherigen Gespräche ziemlich nahe. Und ich vermute, dass er auch in den kommenden Texten immer wieder auftauchen wird, ohne dass man ihn jedes Mal ausdrücklich benennen muss.